Liebe und so – Erfreuliche Alltagsnews

Seit ungefähr zwei Monaten stapft der große Bubi mit durch unser Leben. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne ihn war:

C+tHier reitet ihn gerade meine tolle Reitlehrerin, damit ich so ein schönes Foto von den beiden schießen kann. Er ist so lieb und aufmerksam und dabei irgendwie noch ein kleiner Schussel, das geht mir direkt und total ins Herz.

Aber auch das ganze Drumherum stimmt: Der beste Ehemann von allen hat eine große Portion Verständnis für meine Unbedingtheit, mit der es mich zum Stall zieht und hört mir zu, wenn ich abends mit leuchtenden Augen von dem Pferdchen schwärme. Die weltbeste Hundedame nimmt es gelassen, hat sich doch inzwischen ein Alter erreicht, in der sie nur noch hinter jedem zweiten halbwegs interessanten Dingens herrennen muss. Meistens findet sie es einfach nur großartig, in riesigen Kreisen über den Springplatz zu rasen und sich zu erfreuen, dass sie das so gut kann.

Das sind die Quellen, die mich glücklich und zufrieden machen. Mit all diesen Erlebnissen kann ich der Schule viel gelassener entgegentreten, als es noch bis vor einigen Monaten der Fall war. Weil ich weiß, dass es auf der einen Seite diese schönen Momente für mich gibt, die mich wieder geraderichten und die mir Kraft geben, kann ich hoffen, dass es die für meine Kolleginnen und Kollegen, für meine Schülerinnen und Schüler auch gibt.

Weil ich bis ins Innerste spüre, dass es auf diesem Planeten, in diesem Land, in meiner Ecke von Ostfriesland auch all das Wahre und Freundliche gibt, kann ich das weitergeben und so hoffentlich stärken. Dann verlieren teils unvorstellbare Lebenswege meiner Flüchtlingskinder ebenso ihre Macht über mich, wie diese ganzen dumm-ängstlichen Aussagen der AfD-WählerInnen und Ewiggestrigen. Dann schockt es mich auch nicht mehr ganz so heftig, wenn ein Koreaner und ein gewählter Vertreter der US-Demokratie mit ihren roten Knöpfen Bingo spielen wollen.

Denn ich weiß es ja jetzt: Das trotz aller Widrigkeiten am Ende mein Mann, meine Hündin und mein Pferd da sind. Das wir miteinander verbunden sind, obwohl wir nicht alle die gleiche Sprache sprechen. Das da so viel Schönheit und Liebe und Nähe ist. Und wenn ich das lernen konnte, dann können das ja Andere vielleicht auch. Dafür gehe ich in die Schule, dafür halte ich diese manchmal nervenaufreibenden Tage aus, dafür will ich mich einsetzen.

 

Freuden einer Reiterin

Als frischgebackene Pferdebesitzerin bin ich unmittelbar Studentin des „Bachelor of Pferdegrundausstattung (B.PA.)“ geworden. Wie nach Bologna-Verordnung üblich, muss ich 300 Creditpoints sammeln, ehe ich als voll ausgestattete Pferdebesitzerin in den „Master of Equines Zeitmanagement (M.EZ.) zugelassen werden kann. Studieninhalte sind unter anderem: Materialkunde, Kommunikationsstrategien (die sind nochmal unterteilt in Ehegatten-Erklärungskurse, weibliche Stall-Kommunikation und Kritikfähigkeit am eigenen Pferd), medizinisches Grundwissen in Alternativ- und Schulmedizin sowie Tutorien für sinnvolle Arbeitswege mit Titeln wie: „Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen“.
 
Als Zusatzmodul wird „Bekleidung“ angeboten. Die Sinnhaftigkeit erschließt sich mir seit heute Nachmittag auch: Wenn nämlich Monsieur le Cheval und Madame le Chien beim gemeinsamen Spaziergang beschließen, an der Kreuzung in zwei unterschiedliche Richtungen zu wollen, muss Frau Studienrätin mal kurz ihr Erziehungshandbuch aufschlagen. Da steht dann drin: „Bleiben Sie cool und konsequent. Gehen Sie nicht über „Los“ und auch nicht in den nächsten Baumschatten. Harren Sie im Regen aus, bis sich die Zöglinge beruhigt haben. Wenn Sie dabei nass werden, denken Sie daran, wie gerne Sie im November an einen romantischen Sommerregen zurückdenken werden.“
 
Ich liebe meine Viecher ❤

Wonnemonat Mai

Es dauert ja immer ein bisschen, bis hier wieder etwas steht, das liegt daran, dass das RL („Dat is real life, Froo Ostfreesin, weeten’s Bescheed?“) einfach so proppenvoll und schön ist. Manchmal denke ich, ich sollte das noch viel mehr aufschreiben, damit ich das auch noch weiß, wenn sich das Leben mal novembergrau-arbeitsgetürmt-zerfasert anfühlt. Aber nu, besser ein bisschen was, als gar nix.

Nachdem ich im letzten Beitrag wohlgemut in der Arbeit ertrunken bin, dort am Boden des Korrekturozeans versank, kam plötzlich der Mai und zog mich hoch. Mit den vielen Feiertagen, Sportfesten, mündliche-Prüfungen-protokollieren, Brückentag undsoweiterundsofort war es zwar nicht einfach, die Test-Termine richtig zu setzen, aber es hat geklappt. Hier in Niedersachsen ist schon ziemlich Schuljahresendspurt und das macht sich überall bemerkbar: Reizende Rhinozerosse stampfen durch die Lehrerzimmer, der Akku schon überall recht leer, die Schreibtische sehen verheerend aus, die Kollegin erwartet Applaus für das Anstellen der Spülmaschine, die Zeugniskonferenzen finden dieser Tage bereits statt, die Kinder rennen kurzärmelig herum (wenn die Kleidung denn überhaupt Ärmel hat) und über allem summt schon die Vorahnung der Sommerferien. Da schießen die Projekttage aus dem Boden wie andernorts die Pilze, da muss nochmal ein Jahrgangsausflug organisiert werden und die Verabschiedung der Pensionäre rückt näher. Ob wir da nicht noch was basteln wollen? Ach, und die schwangere Kollegin ist gar nicht mehr schwanger. Ob die sich wohl über einen Strampler freut?

Was der Mai auch kann: Familienzusammenkünfte. Das war diesen Monat wirklich besonders schön, endlich mal wieder die auch etwas weiter entfernte Verwandtschaft zu sehen und zu sprechen. Muttertag, Himmelfahrt, Pizzaabend… da waren in dieser oft sprachlosen Familie aufeinmal doch ganz viele Themen. Und über die meisten konnten wir uns sogar austauschen.

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Wetter! Wetter kann der Mai auch. Die Bäume und Büsche und Blumen sind innerhalb von wenigen Stunden explodiert und alles strotzt vor Kraft. Da isses nur noch schön und ich will raus, das Hundetier dabei.

Eheglück! Auch nach fast zehn Jahren Beziehung. Ich liebe dich wie Hulle!

Es ist alles nur in meinem Kopf…

Was mache ich hier eigentlich? ‚N Blogartikel schreiben. Geht das denn? Kann ich das mit meinem Gewissen vereinbaren?

Da liegen doch noch 16 Abschlussklausuren, die auf die Zweitkorrektur warten. Und außerdem müssen die Zeugnisnoten und Lernberichte langsam mal geschrieben werden, denn minus Himmelfahrt und Pfingsten sind es nur noch gefühlte drei Tage, bis wieder der Konferenz-Wahnsinn losgeht. Die Lektüre! Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“, Novellen-Merkmale, zackzack. Einmal runterbeten, abfragen und bewerten. Sowieso, endlich mal mehr Engagement zeigen! Der demokratische Wandel erfasst Ostfriesland und der Elternwille hat gezeigt, dass die Schulform, an der ich arbeite, nicht ankommt. Da muss doch mal eine Flagge zeigen und zur Außendarstellung etwas beitragen. Jetzt schreib doch mal einen Artikel für die Schulhomepage. Denk auch an das Bildmaterial, sonst ist es zu langweilig. Aber, tut uns Leid, Ostfriesin, dein supererfolgreiches Sprachförderkonzept, ne du, dass müssen wir einstampfen. Sparzwang vom Ministerium.

Ach, das ist noch gar nicht alles? Stimmt, da warten ja auch noch die lieben Kinderlein mit ihrem diagnostizierten Statuten: ME, GE, ESE, ADS, Autismus, Hörschädigung, Fluchthintergrund, Scheidungseltern, Pubertät. Und die ganz „normalen“ Schülerinnen und Schüler. Die, die sich mit Selbstzweifeln oder Größenfantasien plagen. Die, die so gerne mal ein Markenshirt anziehen wollen, aber bei denen das Geld dafür fehlt. Wie, du hast nichts von X und Y? Wie bist du denn drauf? Und dein Handy, Alter, das ist ja sowas von Steinzeit… Ach, du gehörst zu den Schülern, die einfach mal komplett keinen Bock auf Deutsch haben? Das soll ich also einfach mal wegunterrichten? Wozu denn auf die Persönlichkeit der Schülerin eingehen? Die hat die doch noch gar nicht, die bekommt sie doch erst durch unseren Bildungskanon! Mensch, Ostfriesin, dass du das nicht verstehen willst.

Jetzt aber hopp, hopp. Die Korreeektuuuhuur! Bevor „Grey’s Anatomy“ anfängt musst du noch zehn Stück schaffen. Das ist ja wohl mal klar. Wenn nicht: Du Niete, ey! Lehrerinnen sind doch alle faule Säcke. Sagte Schröder schon. Der wusste, wovon er sprach!

Komm mir jetzt nicht mit „Mimimi, aber ich hab doch heute sechs Stunden unterrichtet! Und das auch noch mit binnendifferenzierten Unterrichtsmaterial. Außerdem habe ich mich mit einer Kollegin auf eine Sitzung vorbereitet, die für die Zukunft der Schule wichtig ist!“

Korrigiert soll hier werden! Schnallst du das nicht?

Jaja, die Vorgesetzte, die hat dir gestern noch einen reingewürgt. Hättste dir mal nicht reinwürgen lassen sollen! Nächstes Mal sagst du ihr einfach, was du alles gemacht hast und dann soll sie mal sagen, was daran falsch oder unerledigt war. Dumm nur, dass sie das Spiel nicht mitspielt, sondern einen Flunsch zieht und dir sagt, dass du DA aber nicht dran gedacht hast.

Herr. Hirn. Himmel. Schnell!

…und dann singt Tim Bendzko mir vor, wo es ist: „Alles nur in deinem Kopf! Es ist alles nur in deinem Kopf!“

*geht wieder auf Tauchstation*

So ein Pony, das kann Alles!

Als ich noch Schülerin war, hatte ich Zeit zum Träumen und Gedanken nachhängen.  Ich las in der Mittagssonne bei meiner Oma im Garten die Jugendbücher meiner Mutter und deren Freundin. Meine Mutter mochte scheinbar alle Internatsgeschichten von Hanni und Nanni sehr gerne, aber auch so Junge-Liebe-Kichern-In-Der-Eisdiele-und-am-Ende-mit-den-Eltern-im-Frieden-sein-Bücher stand hoch im Kurs. So richtig pädagogisch wertvolle Klischee-Literatur. Die Freundin meiner Mutter mochte Pferdegeschichten und Erlebnisse von jungen Mädchen, die im Wald auf Rehe trafen. Dann kam der Förster und entweder hat er sie aus misslicher Lage gerettet, sie verliebten sich und trallalala oder  er hat sie verjagt, weil sie dem armen Reh, das doch so ein leckerer Braten werden sollte, zur Flucht verholfen hat.

Völlig konsequent waren dann auch die Bücher, die ich mir in der Bibliothek der nächsten Kleinstadt ausgeliehen habe, in diesem Spektrum dichterischer Schaffenskunst angeordnet. „Billy und Zottel“, „Abenteuer auf dem Ponyhof“, „Bibi und Tina hoch zu Ross“, „Das Nesthäkchen“, „Der Trotzkopf“, Bücher über Tierarzthelferinnen (wer will kleine Mädchen schon auf die Idee bringen, dass sie selbst studieren könnten? An einer Uni? Also wirklich!), Zeitschriften über Wendys Abenteuer und so weiter und so fort.

Mit meinen Großvätern war ich viel unterwegs. Die hatten immer irgendeine fixe Idee, wo sie jetzt noch hinterhermüssten und dann fuhren sie dorthin, wahlweise im Unimog oder mit dem alten Benz. Wenn ich leise und freundlich zu den Leuten war, haben sie mich auch mitgenommen. Wer würde sich so eine Chance schon entgehen lassen? Also lernte ich abenteuerliche Menschen kennen, sie mich nicht so sehr, denn ich musste ja leise sein und die Erwachsenen sprechen lassen. Doch das hinderte mich ja nicht daran, alles Neue aufzusaugen. Manchmal kamen wir auch auf Pferdehöfe. Da streckten die edlen Rösser ihre Köpfe neugierig aus den Boxen, schnoberten herum und inspizierten die Neuankömmlinge, Opa und mich.  Gelegentlich ritt dann auch noch jemand an mir vorbei. Ich stand und staunte.

Mittags hatte Oma etwas gezaubert und dann hieß es: Mittagsruhe. Dieses träge Licht, dass am Fenster vorbeiwandert, nur unterbrochen von Vogelrufen und einem selten vorbeifahrenden Auto, das vermisse ich manchmal. Auch die Langeweile einer Mittagspause, in der telefonieren mit der besten Freundin verboten war („Dat is völls to düür!„), Krach machen genausowenig gerne gesehen wurde („Nu is Middagstün, dor mutten ji ne so luut wesen!“) und der Fernseher drei Programme aufwartete, und damit ebenfalls nicht das große Entertainment bot, diese Langeweile war erfüllt von einem Warten auf das große Neue.

Ich wünschte mir damals, auf einem Pferd durch die Gegend zu reiten. So eine Gegend, die nicht nur flach und windig ist, sondern eine mit Hügeln und Tälern und einem kleinen Bach, über den man springen kann. Mit einer Burg, die er zu erkunden gibt und einem wilden Ritt durch die Felder.

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Ein Vierteljahrhundert später werden diese Träume wahr. Lange war ich Kutscherin und bin mit dem Planwagen bei Wind und Wetter hauptberuflich gefahren. Das war toll. Neben dem Studium waren das meine Auszeiten, in denen ich im direkten Pferdekontakt und unter dem großen Himmel der südlichen Nordsee Luft holen und zur Ruhe kommen konnte. Inzwischen fahre ich nur noch selten, dafür reite ich wieder häufiger. Und weil es gerade passte und noch ein Platz frei war und die Ferien gerade begonnen hatten, war ich vergangenes Wochenende in Nordhessen auf einem Wanderritt, der so, so, so schön war, dass ich ganz verzückt bin.

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Gestartet sind wir auf einem ganz tollen Reiterhof, der bis ins Detail davon zeugt, dass sich dort jemand einen Traum erfüllt hat und bereit ist, ihn zu teilen. Gleich am Freitagabend stand ein schneller Ritt über den Hausberg an, der zeigte, was die Pferde alles können: Wie die Gemsen bergauf und bergab, ihre Reiterinnen sicher tragend. Schnelle Galoppaden zeigten, welches Pferd die größten Sprünge machen kann und im Schritt ging es an steilen Hängen entlang. Es war wunderbar. Im Rittersaal wurde ein leckeres Essen aufgetischt und am Samstag ging es dann auf Tour: Sieben Stunden durch den Wald, an einem See vorbei, bis zu einem Tal, das so frühlingshaft schön war, dass es mich nicht gewundert hätte, gleich Jonathan aus Astrid Lindgrens „Brüder Löwenherz“ oder ein paar Hobbits vorbeimarschieren zu sehen:

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Zum Feierabend sind wir bei einem Kumpel vom Pferdehof-Besitzer angekommen, wo wir die Pferde mit Kraftfutter und Wasser versorgt auf einer grünen Weide zurückließen, um bei einem Grill-und Gitarrenabend am Kaminfeuer diesen wunderbaren Tag ausklingen zu lassen.

Am Sonntag wurden wir zu den Pferden gebracht, wir sattelten auf und ritten los. Schon nach der ersten Viertelstunde war jegliches Zeitgefühl verschwunden und ich wieder voll im Augenblick. Mein Pferdchen hat mich so sicher, freundlich und gemütlich getragen, dass ich ganz leicht ums Herz wurde und mich so gefreut habe, dass ich noch Tage später Muskelkater in der Oberlippe hatte, weil ich so breit grinsen musste.

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Das ist ja das Tolle am Erwachsensein: Wenn man sich langgehegte Träume erfüllen kann und wenn sich dann noch herausstellt, dass es sich lohnt, das es schöne Erfüllungen sind, dann kann es nicht mehr besser werden.

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Das ist dann das Glück, das einige so sehr suchen, dass sie es gar nicht sehen, wie es da steht und mit dem blauen Himmel um die Wette leuchtet. Aber ich, ich kann jetzt sagen: Es ist da! Und es lohnt sich, alte Träume aus der Mottenkiste zu holen und im Tageslicht zu betrachten und sie vielleicht endlich, endlich mal umzusetzen.

ABM: Arbeit, blauer März

Da isser nun, der Frühling. So richtig echt mit Narzissen, Tulpen und Ranunkeln. Die Vögel zwitschern es raus, unserem Haus gegenüber wohnt eine Amsel, die über den Winter sehr viel geübt hat und nun von früh bis spät ihrem Herzen Luft macht. Der Hund kullert im Garten und bittet darum, die Decke in die Sonne gelegt zu bekommen. Der Insulaner trägt kurze Hosen in der Mittagszeit und streicht ein wenig herum.

Derweil: Ich arbeite. Viel. Neben dem Unterricht, der grundsätzlich mal gar nicht zu unterschätzen ist, gab es im März einen plattdeutschen Vorlesewettbewerb, eine Theateraufführung meiner DaZ-Knirpse, Konferenzen ohne Ende, Informationstage für Eltern hoffentlich kommender Schüler, Konferenzen, Dienstversammlungen und Fortbildungen, dazu Arbeitskreise und Konferenzen. Jetzt noch schnell eine Deutscharbeit zum Korrigieren mit in die Osterferien nehmen, dort noch eben einen Haufen Bilder bewerten, dann das Schuljahresende planen (vier Wochen! Dann müssen schon alle Noten stehen!) und zack, ist die Energie futsch.

Am Abend liege ich im Bett und frage den Mann, warum ich eigentlich so k.o. bin. Bekomme einen Vortrag, der den inneren Schröder’schen-„Lehrer sind alle faule Säcke“-Schweinehund an die Kette legt.

Kann nicht schlafen. Ein Gedankenwurm kriecht über die Bettdecke: Wie soll ich denn meinen Inklusionskindern einerseits und den sehr begabten Kindern andererseits gleichzeitig Gotffried Kellers Nebensätze dritter Ordnung erklären? Und sie auch noch für die Schönheit dieser Satzkonstrukte begeistern? Dann spackt der Kollege wieder rum, weil er angeblich eine Information nicht rechtzeitig erhalten hat. Bin ich darum ne miese Kollegin, weil ich ihm nicht als allererstes informiert habe? Müssen Orchideenfach-Kollegen zusammenhalten? Der unbegleitete minderjährige Flüchtling, der im vergangenen Jahr einfach nicht in die Klasse reingewachsen ist, ist abgängig. Wie kann das Jugendamt so ein Behördendeutsch für einen verschwundenen Jugendlichen einsetzen? Wahrscheinlich kann man nur so denken, sonst nimmt das Chaos überhand. Hab ich eigentlich meinen Beitrag zum Geschenk für die schwangere Kollegin schon bezahlt? Das Elterngespräch vorgestern lief ja nicht so gut, wie das Kind das wohl wegsteckt?

Müde. Ferien. Bald. Wie sagte neulich jemand: Ich werde so dermaßen eskalieren, ich brauche danach bestimmt neue Hausschuhe.

Sprache ja, Worte nein

In meiner Familie wird viel gesprochen. Manchmal wird auch gesprochen, ohne das der Mund sich bewegt. Uns Norddeutschen wird ja gelegentlich nachgesagt, dass wir schweigsam seien. Das konnte ich bisher noch nie für meine Familie oder mich verbuchen, aber je länger ich wieder in Ostfriesland bin (wir erinnern uns, da gab es eine längere Buten-Ostfreesland-Tied wegen Studium und Welt entdecken), desto mehr fällt mir das Schweigen auf.

Ich brauche unsere Sprache wie andere Leute Wasser. Also, das brauche ich auch, aber ich liebe Sprache. Ich denke in Sprache, ich fühle in Sprache, ich konsumiere Sprache, ich produziere Sprache, mein Kopf ist manchmal ganz durcheinander von so viel Sprache und damit ich das sortiert bekomme, nutze ich Sprache. Ich spreche mit allem und jedem um mich rum. Mit der Stimme, mit meinem Körper und mit meinen Gefühlen und Gedanken. Genauso reagiere ich auch auf Sprache von anderen. Sprache ist sozusagen DAS DING für mich.

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Es gibt aber die Momente, in denen fühle ich mich ganz verstrickt in Unaugesprochenem und Nicht-Eindeutigem. Das passiert in den letzten Wochen und Monaten immer häufiger, gerade, wenn ich mit Familienangehörigen spreche.

Das Studium und mein Beruf haben mich verändert. Das habe ich mir auch so gewünscht, war ich doch angetrieben von einem „da gibt’s noch mehr“. Als ich noch Schülerin war, wollte ich unbedingt an die Uni. Das ist für mich furchtbar weit weg gewesen, die nächste Uni war von meinem Heimatdorf über 130 km entfernt und damit hätte sie auch genauso gut in einem anderen Land stehen können. Meine Kindheit und Jugend waren von Draußensein und Landwirtschaft und Traditionen geprägt. Bücher, Zeitschriften, Musik, Geschmacksrichtungen – das war schon alles eher eingeschränkt. Das erste Mal über Homosexuelle zu sprechen war in den frühen Nullerjahren möglich. Über die Einteilung von Arbeitsphasen in männlich-weiblich musste auch nicht gesprochen werden, weil: war ja klar, wer was wann macht.

Ist es das?

Diese Welt, in der ich groß geworden bin, vermisse ich manchmal. Sie gab mir Regeln und Klarheit und fragte nicht dauernd „Warum machst du das so? Könntest du es nicht auch anders machen?“ oder „Warum hast du diese Einstellung? Gibt es nicht Alternativen dazu?“ Genaugenommen fragt das bis heute kaum jemand und wenn, dann gibt es keine Antwort. Dort, an der Stelle, beginnt das Schweigen.

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Das Bild ist da, aber der Ton ist weg. Ratlosigkeit auf beiden Seiten. Warum fragt sie so kompliziert, warum krieg ich keine Antworten? Warum muss sie in so vielen Töpfen rühren, war doch gut so, wie es war. Nein, war und ist es nicht. Es gibt „Mehr“. „Mehr“ ist super! Aufregend, spannend, komplex, bereichernd, verwirrend, erklärend, erneuernd, erkennend.

Ich fahre von den Begegnungen mit ganz gemischten Gefühlen davon.

Es ist so schön, auf vertraute Heimat zu treffen und ich fühle mich so tief verwurzelt.

Es macht mir Knoten in den Magen, wenn ich nicht aussprechen kann, was ich denke, weil ich den Eindruck habe, damit über Grenzen zu treten. Schweigen.

Alle sind Quadrate, ich bin ein Parallelogramm.

Gespräche über Themen, die mich nicht berühren, Schweigen über das, was mich beschäftigt. Der Wunsch, das zu erhalten, was wie eine Fackel aus meiner Kindheit in mir brennt und mir Kraft gibt, trifft auf Widerstand in dem Wunsch, die unklaren, unausgegorenen, unfairen Mechanismen ans Licht zu holen und neu zu ordnen. Und mir fehlen die Ohren und die Worte dazu.

Noch.

Winterschlaf

Hallo Welt!

Hier meldet sich die Ostfriesin, ich weiß, du hast lange nichts von mir gehört. Verzeih, bitte!

Wie das kam? Das kam so:

Vergangenes Jahr, so um Ostern, haben der Mann und ich beschlossen, ein Haus zu kaufen. Das haben wir dann auch direkt mal gemacht und damit kam viel Schönes und Anstrengendes auf uns zu. Wir haben uns für Heizungszeug, Fußböden, Türen, Fenster, Küche, Bäder, Farben, Tapeten und Bodenbeläge entschieden, die passenden Handwerker dazu gesucht, viel über Estrich gelernt (bitte keine Nachfragen dazu, ich werd jetzt noch nervös, wenn ich nur an die Trocknungszeit denke) und zwischen Arbeit, Fernbeziehung und Bauaufsicht versucht, uns nicht aus den Augen zu verlieren.

Inzwischen leben wir aber in diesem Häuschen und freuen uns jeden Tag, wie schön es geworden ist. Morgens mache ich die Augen auf und denke: Boah, schön hier. Der zweite Gedanke ist dann: Haste dir ja selbst ausgesucht. Das ist ziemlich cool!

Dann hat der Insulaner sich beruflich verändert und wir können nach Äonen von Fernbeziehung endlich zusammenleben. Das ist ja so toll! Ich weiß jetzt, warum die meisten mit dem Modell „Wochenendliebe“ hadern. Naja, und das mussten und müssen wir ja auch erstmal ausgiebig genießen. Also wieder nix mit Blog und so.

Tja, plötzlich stand dann die Fahrprüfung vor der Tür und was soll ich sagen? Deutschland hat jetzt eine offiziell anerkannte Kutscherin mehr. Wir verbrachten ein Wochenende auf dem Ponyhof und cruisten von dort zur Generalprobe und zum Prüfungsgelände. Das ist im Winter und mit Baudruck (ESTRICH!!) jetzt auch nicht soooo entspannend, welch Überraschung.

Aufeinmal wurde es mitten im Winter hell um uns, das lag aber nicht am Klimawandel, sondern an Weihnachten und den Lichterketten. Wieder nix mit Bloggen, Besinnlichkeit und Durchatmen und an Silvester dem armen Hund beistehen. Silversterknaller schön und gut, aber müssen die gleich eine Woche durchballern? Die Punktedame hat ganz schön gelitten und wir mit ihr.

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Neues Jahr, neues Glück, kein Blog. Weil? Weil!

Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich habe das große Glück, an vielen Lebensentwürfen teilnehmen zu dürfen. Kinder und Jugendliche sind inspirierend und dass ich beruflich Zeit mit ihnen verbringen darf, macht mich stolz und froh. Aber, ja auch hier ein aber, es zerrt auch wirklich an den Nerven, immer um die bestmögliche Lösung zu ringen. Mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Kolleginnen und Kollegen, mit Erlassen, Konzepten und Richtlinien. Das reibt mich manchmal ganz schön auf. So sehr, dass ich dann erstmal Komaschlafen muss, damit meine Synapsen sich wieder sortieren können. Was tue ich dann nicht? Richtig. Bloggen.

Und warum, liebe Ostfriesin, willst du das jetzt wieder ändern?

Weil ich Lust drauf habe! Die Tage werden wieder länger, die Kamera ist frisch poliert, meine Nerven schreien nach Beschäftigung und die Schule kann mich ja nicht immer haben. Nun versuche ich erneut mein Glück und würde mich sehr, sehr freuen, wenn ihr mit dabei seid!

Immer eine Handbreit Wasser unter’m Kiel wünscht

die Ostfriesin

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Showtime – Pferde in Aktion

Am gestrigen Samstag habe ich endlich mal wieder etwas mit einer sehr lieben Freundin unternommen. Ein Reitbetrieb der Region hatte zu einem Showprogramm mit Barockpferden eingeladen und da wir beide Pferde ziemlich super finden, haben wir uns auf den Weg dorthin gemacht.

tl,dr: Für Freunde des kurzen Inputs: Ja, war schön und ja, ist ausbaufähig.

Für die Leserinnen längerer Blogartikel: Das kam so…

Zunächst ritt eine schwarzbewandete, blondhaarige Frau mit Dreispitz auf dem Kopf einen Barockschimmel in die Halle. Barock war an dem Pferd vor allem sein wahnsinniger Hals. Da, wo bei Sportpferden nach dem Widerrist erstmal eine sanfte Wölbung emporsteigt, ging es bei ihm Eiger-Nordwand-mäßig steil nach oben. Wahrscheinlich muss er den Hals so hoch tragen, weil er sonst auf seine Mähne getreten wäre. Die war nämlich unglaublich lang und sorgte für einen echten WOW-Effekt. Die Dame stellte sich als Moderatorin des Abends vor und überraschte mit einer Stimme, die absolut nicht zu dem Körper passte. Die Stimme war eher so „Hallo, ich bin acht Jahre alt und möchte trotzdem gerne noch beim Schlachter eine Gratis-Scheibe Wurst haben“, während der Körper eher so: „Baumstämme? Reiße ich schon vor dem Frühstück drei Stück aus.“ war. Kennt ihr das, wenn ihr Leute seht und dann fangen die an zu sprechen und du denkst nur: WHAT??? Jedenfalls bat sie da das erste Mal an diesem Abend um Applaus. Das erste von ungefähr 200 Malen.

Es folgte ein hübsches weißes Pferd mit einer ebenso hübsch dekorierten Frau, die zusammen auf einem riesigen Stück  (wirklich riesig. Bestimmt 20 x 15 m!) blauen Stoffes rumgetanzt sind. Das Pferd war erst zweieinhalb Jahre alt und meine Freundin und ich waren schwer beeindruckt von seiner Unerschrockenheit. Da wurde piaffiert und sich hingelegt, egal, ob da 700 Leute zuguckten, die Musik an „The last Unicorn“ erinnerte, die Spots ihr Ziel nicht fanden oder die Stoffbahn flatterte wie ein Burggespenst. Respekt vor so viel Coolness.

Weiter ging es mit einem großen Einhorn:

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Das Einhorn tänzelte zur Violine sehr anmutig im Kreis.

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Steigen konnte es auch. In einer späteren Darbietung haben die beiden gezeigt, wie toll das Pferd an den Hilfen der Frau steht. Sie hat nur mit Sitz- und Schenkelhilfen auf dem Pferd gesessen und mit den Armen große Flügel bewegt, das Pferd hat aber alle Seitengänge und Gangwechsel sehr schön ausgeführt. Allerdings nur auf der linken Hand, Rechtsrum müssen sie wohl noch üben.

Auf dem Bild oben sieht man übrigens ganz gut, wie kräftig die Pferde am Hals bemuskelt sind.

Es folgten weitere Show-Auftritte, bei denen alle gezeigt haben, wie gut sie aufeinander achten. Das Trickpony beispielsweise reagierte sehr fein auf die Aufforderung, die Beine zu kreuzen:

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Und das Menorquinische Pferd zeigte seine Geduld:

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Die Reiterin wirkte übrigens am lässigsten: In der einen Hand die Zügel, in der anderen die Gerte, mit dem Hintern am Sattel wie mit Pattex klebend, machte das Pferd allerlei Sachen wie Vorwärtsverbeugung, auf den Hinterbeinen laufen, fliegende Galoppwechsel… und sie saß unerschütterlich weiter. Schon ziemlich cool. Wenn eine Übung mal nicht recht klappen wollte, zum Beispiel das Hinlegen auf Kommando, dann haben die Reiterinnen keinen Zwang ausgeübt, sondern etwas anderes gemacht. Das fand ich gut, weil die Pferde dabei auch einen entspannten Eindruck machten und nicht gefrustet wirkten.

Neben echten Vierbeinern tauchten auch große Leuchtpferde in der Halle auf:

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Mit der passenden Musik schwebten sie sehr leichtfüßig durch die Halle und haben mit ihren großen Bewegungen imposant gewirkt. Allerdings hätte da die Choreo bestimmt noch mehr Absprachen vertragen können.

Heute denke ich, dass da schöne Sachen präsentiert wurden, allerdings sehe ich auch noch Luft nach oben. So könnte das Licht schöner gesteuert sein, teilweise war es sehr dunkel, dann wieder sehr hell. Vielleicht wäre ein schwarzer Vorhang hinter den Pferden auch möglich gewesen, dann hätten sie noch mehr hervorgestochen.

Die Moderatorin hat für mich einen Platz auf der Top Twenty der nervigsten Leute des Jahres belegt. Sie hat einfach immer und immer wieder nach Applaus, gerne auch für sich selbst, gefragt und war dem Publikum gegenüber sehr anmaßend. Sie sprach dann davon, dass sie ja so viel erzählen müsse, um die Umbaupausen zu überbrücken, aber das hätte sie auch anders lösen können, als mit: „Applaus! Für mich!“. Eleganter hätte ich es gefunden, wenn sie eine kurze Geschichte aus dem Training der Pferde erzählt hätte, oder was das Besondere am Barock ist. Was überhaupt Barock ist. Aber nu. Insgesamt wirkte sie nicht sehr authentisch. Das fiel vor allem am Ende des Nachmittags auf, als die Kinder noch ein paar Fotos mit den Pferden machen durften. In das große Mikrofon wurde das noch ganz lieblich gesäuselt, als dann die Kinder Schlange standen, war der Ton schlagartig sehr viel ruppiger.

Dann weiß ich bei Barockpferden nie so ganz, wie ich sie finden soll. Es ist toll, was sie in den Beinen haben und wenn sie, wie zwei schwarze Friesen im Pas de Deux zeigten, die bepuschelten Hufe elegant schwingen, dann sieht das großartig aus. Allerdings habe ich auch gesehen, dass die Pferde mit der Kandare so kurz gehalten wurden, dass zwischen Ganasche und Hals überhaupt kein Abstand mehr war. Kann natürlich sein, dass das so muss und ich hab da zu wenig Ahnung, aber richtig gefallen hat mir das nicht. Teilweise hatten die Pferde auch richtig viel Metall im Maul und Kopf, Unterlegtrense und Kandare und und und.

Was bleibt also? Wir hatten ein schönes Erlebnis, bei dem tolle Pferde vorgestellt wurden. Wir fühlten uns gut unterhalten und haben gern zugesehen. Am Ende bleiben ein paar Fragen und der Wunsch nach einer neuen Moderatorin, aber der Genuss überwiegt. Und falls die nochmal wieder kommen, gucken wir uns das gerne ein weiteres Mal an.

…und das Hundetier liegt in seiner Kiste, die Pfoten über dem Kopf zusammengeschlagen und scheint zu denken: „Kein Spanischen Schritt mit wehrlosen Dalmatiner-Mischlingen! Such dir ein anderes Tier, dem du Trickse beibringen willst.“

Die Welt, obgleich sie wunderlich…

…ist gut genug für dich und mich.

So oder so ähnlich treibe ich gerade durch die Tage. Oder werde getrieben. Oder eile. Ach, es ist ja mal wieder viel los hier.

Also erstmal habe ich Netflix installiert. Ich habe das lange boykottiert, weil mir der smarte Fernseher ja schon so’n büschn Bauchschmerzen gemacht hat. Der hatte keine Internetverbindung, weil ich (wahrscheinlich zu Recht) befürchte, dass da irgendwo Mikrofone drin verbaut sind und die all das Zeug, was wir so besprechen, aufnehmen und auf irgendeine gigantische Datenmüllhalde schmeißen, wo es aber nicht verrottet, sondern für immer und ewig vor sich hin bytet. Naja. Ist wahrscheinlich so, aber hey, ich hab das Smartphone neben dem Bett liegen. Die Konsequenz sitzt hämisch lächelnd in der Ecke und zeigt mit den Stinkefinger. Und außerdem hat die Satellitenschüssel neulich bei Grey’s Anatomy, ich wiederhole der Dramaturgie wegen: BEI GREY’S ANATOMY!!EINSELF! den Geist aufgegeben. Es regnete mal wieder zu stark und dann spielt der Parabolspiegel verrückt. Also jedenfalls: Keine Meredith, die mal wieder Stress schiebt. Ein Drama! Und weil ich wirklich unbedingt auf dem Sofa liegen wollte und fernsehen und vielleicht noch ein kleines Schokoeis essen, habe ich mich bei Netflix angemeldet und sehe da seit diesem teuflischen Moment in quasi jeder freien Minute Piper Chapman bei ihrem Gefängnisaufenthalt in Litchfield zu. „Orange is the new black“ hat mich voll im Griff und es ist wie bei manchen Büchern: Wenn ich zu lange Harry Potter lese, murmele ich Zaubersprüche, wenn ich zu lange Gefangene beobachte, kommentiere ich alles mit „F*ck dich!“. Schlimm. Aber was willste machen. Das ist jedenfalls ein superguter Zeitvertreib, wenn ich mal wieder völlig entnervt von pädagogischen Gesprächskreisen komme oder wenn die Handwerker uns erst mitteilen, bis dann und dann sind sie fertig und dann dauert es doch wieder zehn Tage länger oder wenn es mal wieder nicht richtig hell wird draußen oder wenn die liebe Achte mal wieder einen krassen Pubertätsschub hat und ich nicht zum Hulk werden darf, obwohl ich so gerne möchte…

Und dann ist wieder alles gut. Im Lehrerzimmer wird gelacht und der Fliesenleger arbeitet schnell und sauber und der Elektriker taucht wie aus dem Nichts auf und ist so ein Typ Mann, den man unbedingt neben sich stehen haben sollte, wenn die Welt untergeht, und dann will meine Achte unbedingt, dass ich ihre Klassenlehrerin werde, weil: „Sie sind die einzig Coole!“ Hier! Ich! Cool! Das hätte damals doch auch keiner gedacht, ich jedenfalls nicht. Und dann hat der Lieblingsinsulaner nur noch ein paar Tage vor sich und wir können endlich das Modell „Fernehe“ verabschieden.

Das sind jedenfalls die derzeitigen Dinge, mit denen ich meine Tage verbringe. Neben der Unterrichtsplanung, Klassenarbeitskorrektur, Gassigänge, Material vorbereiten für Arbeitskreise und Fortbildungen und Vorträge, Geburtstage vergessen und dann doch noch ein Päckchen schicken und Youtube-Videos über Thees Uhlmann gucken und überlegen, ob ich den jetzt gut finde oder nicht. Ich finde seine Texte super, aber jedes Interview ist immer so „meeeh, ne, das ist mir jetzt zu aufgesetzt.“ Vielleich so wie bei Janosch. Seine Kinderbücher sind super, aber seine Kommentare im ZEIT-Magazin gehen mir auf den Keks. Thees, wenn du das hier liest: Ich würde sofort einen Kaffee mit dir trinken gehen, um der Sache mal auf den Grund zu gehen. Direktemang!

Pünktlich zu Halloween hatte das Gemüse noch eine Überraschung parat:

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So, und wer jetzt glaubt, dass dieser Eintrag ja ziemlich wild durcheinander springt, der gebe ich Recht. Musste aber mal raus 😉

Hollt jo fuchtig!