Was die Lunge hergibt

Letzte Nacht, zu irgendeiner unchristlichen Uhrzeit (nebenbei: gibt es unmuslimische oder unbuddhistische Uhrzeiten?), hustet sich der arme Herzbube die Lunge fast aus dem Hals. Dieser Zustand hält nun schon eine Weile an und aus der Erfahrung des Winters wissen wir: Kann auch noch dauern. Damals habe ich mich monatelang mit einer fiesen Bronchitis rumgeschlagen, ohne das eines der üblichen oder unüblichen Mittelchen geholfen hätte. Letztlich haben es viel Schlaf und Hustentee in Großkanistern geschafft und irgendwann war’s dann vorbei.

Reichlich unausgeschlafen erfolgte heute morgen darum der Abschiedskuss, der Lieblingsinsulaner macht rüber und kommt erst morgen wieder. Aus diesem Grund müssen das Punktevieh und ich uns eine Alternative überlegen; Das übliche „Juhu, wir sind ausgeschlafen und freuen uns auf ein Entertainment von dir“-Gebrabbel, dass der Mann sonst allabendlich in den Ferien zu meistern hat, muss einem ausgefuchstem Plan weichen.

Der führte zunächst ins Dorf, zu einer Verabredung mit einer Kollegin und ihrem Baby. Die Kleine präsentierte uns dann ausdauernd, was Lungen außer Husten und Pfeifen noch können, nämlich die Grundlage für bemerkenswert lautes Gebrüll sein. Die Lütte kriegte sich gar nicht wieder ein. Liegen falsch, sitzen falsch, füttern falsch, auf den Arm nehmen ganz falsch, ach, manchmal ist das Leben ein schweres Los. Es wäre aber doch gelacht, wenn in der frischen Nordseeluft mit einer steifen Brise von West-Südwest nicht genug Aerosole mitfliegen würden, die auch diese Lungen wieder beruhigen. Und so war es dann auch: Während eines strammen Spaziergangs schlief sie nämlich ein und wir, ihre Mama und ich, konnten uns über unseren Beruf und das Drumherum austauschen.

Wieder in der Burg haben das Tier und ich eine große Hunderunde gedreht, bevor wir uns in einer Schutzhütte hingesetzt haben und dem Treiben lauschten. Mit der Aussicht auf grün (Deich) und grau (Himmel) werden die Geräusche in diesem kleinen Kabuff plötzlich viel wichtiger und interessanter. Die herannahenden Kutschen kann das trainierte Ohr nach einer Weile gut unterscheiden, bei dem einen klimpern die Eisen, bei dem anderen quietschen die Bremsen, das nächste Gespann ist groß und stark und lässt die Erde beben, ein weiteres trippelt eilig davon…

Und am Strand sitzen die Möwen und warten auf das nächste Niedrigwasser, das ihnen wieder Krabben in die Priele spült.

IMG_2681.JPG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s