Übern-Schreibtisch-Ferndiagnose

Die Haut ist gerötet und verknotet. Leider an einer ziemlich prominenten Stelle. Was liegt da also näher, als zu einer darauf spezialisierten Praxis zu gehen? Das Ostfriesland zwar wunderschön, aber nicht nur da inhaltlich auch hinter’m Mond liegen könnte, merkte ich am Freitag.

Im Umkreis von ungefähr 30 Kilometern gibt es genau drei (ja, wie die Zahl nach zwei) Hautarztpraxen, die alle mehr oder weniger, eher weniger gute Rufe haben. Hab‘ ich die genommen, die für Profilierung bei kosmetischer Hautbehandlung wirbt. Hat auch nur eine Woche gedauert, eine von den Damen am Grill -Verzeihung, ANMELDUNG- ans Telefon zu bekommen. War der Termin erst sehr viel später. Hatten dann alle alles durcheinander bekommen und saß ich dann über zwei Stunden im Wartezimmer. War ich schon ziemlich genervt im Behandlungsraum, eingehüllt in ein Triumvirat aus Tosca, Tabak und Old Spice. Hätte ich schon ziemlich auf die Leute einbrüllen können. Hab ich aber nicht gemacht. Kinderstube und so.

Naja, und dann saß ich vor einer sehr emsigen, mich völlig mit Worthülsen zuschallernden Hautärztin, die im Gegenlicht und auf einskommsfünf Meter Entfernung durch die Brille eine Kurzzeit-Blick-Diagnose machen konnte. Die mir auch gleich ein Langzeitantibiotikum verschrieben hat und meine Haut als sehr miserabel und Stadium 2 von 3 klassifiziert hat. Quasi eine lebende Frauenzeitschrift auf zwei Beinen. So richtig mit Missachtung meiner Person und ausgehend von standisierten Meinungen und Vorstellungen.

Oh man.

Jetzt ist es früh, die einzige Zeit, in der mein Festlands-WLAN kräftig genug für einen Blogbeitrag ist (ohja, in der neuen Festlandsburg kommt überall Glasfasernetzwerk hin!) ist und außerdem wollen wir gleich im Bushaltehäuschen auf den Überlandbus warten, der uns in einer Stunde zum nächst erreichbaren Bahnhof fährt, bevor es mit ein paar Zügen und Umstiegen Richtung Berlin geht. Sting spielt auf der Waldbühne, der Lieblingsinsulaner ist großer Fan und ich will noch in mindestens ein Museum, bevor mich die ostfriesische Pädagogenlandluft nächste Woche wieder komplett einlullt. Und wir beide wollen uns würdig von den letzten gemeinsamen Wochen verabschieden.

Das Tier sonnt sich derweil weiter im höheren Norden.

Auf bald!

2 Gedanken zu “Übern-Schreibtisch-Ferndiagnose

  1. blogbellona 31. August 2016 / 12:00

    nun wohne ich in der großstadt, aber bekomme trotzdem erst in gefühlten 100 jahren einen hautarzttermin in einer der unzähligen praxen. und ich denke, besser wird man da auch nicht behandelt. ätzend.

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    • Postfriesin 3. September 2016 / 15:37

      Sehr! Ich drück dir die Daumen, dass du ’ne vernünftige Anamnese und eine aussagekräftige Diagnose bekommst!

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