Und dann, und dann fängt das Ganze von vorne an.

Jippiejajo, es geht wieder los.

Naja, fast. Heute war der große Konferenztag, der allen Mitwirkenden des Schulbetriebs einen rasanten Kaltstart von Null auf 100 ermöglicht hat. Nachdem ich ja letzte Woche mit eher mäßigem Erfolg an der Vorbereitung des neues Schuljahres gebastelt habe, stellte ich heute fest, dass das doch völlig ausreichend scheint. In Berlin war unser Hotel direkt gegenüber von meinem liebsten Deutsch-als-Heimatsprache-Verlag, nämlich Cornelsen, und da hat der Lieblingsinsulaner mich mal zwei Stunden durch die Regale wühlen lassen. Ich habe da echt einen Knall, aber der Geruch von neuen Lehrwerken ist einfach toll. Außerdem ist es schön gewesen, einmal richtig mit Zeit durch ein reichhaltiges Angebot zu stöbern. Vermutlich ist das eins der wenigen Dinge, die ich aus der Studienzeit wirklich sehr vermisse: Dieses stapelweise Bücher zu einem Thema an einen Tisch in einer großen Bibliothek tragen und dann so lange querlesen und hin- und herschieben, bis ein kleiner, feiner Denkstapel vor mir liegt, den ich dann genussvoll zerrupfe. Naja. Damals.

Zurück in Berlin: Das Ergebnis war ziemlich schwer und ist in meinem Koffer einmal durch die halbe Republik gereist, macht meinen Schreibtisch aber gerade sehr viel schöner. Nachdem einer meiner fantastischen Ausbilder damals uns vollmotivierte und leicht verplante ReferendarInnengruppe auf ein differenzierendes Lehrwerk aufmerksam gemacht hat, musste das in allen Komponenten mit nach Ostfriesland. Meine Klasse wird dieses Jahr Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ lesen, sich mit Lyrik von Schiller, C.F. Meyer, Peter Fox und Seeed auseinandersetzen, in Spielen zur Unterrichtsgestaltung Rechtschreibung und Grammatik trainieren (meine Highlights sind gerade Tandembögen, „Tick Tack Bumm“ und die „Eins, zwei, drei – Rhetorik Raterei“), Zeitungsartikel kritisch untersuchen und in Vorbereitung auf das Praktikum im nächsten Schuljahr schon einmal ein bisschen Bewerbungen schreiben üben. Das ist der Plan, Hannibal!

Meine Sprachis (SprachlernschülerInnen) haben erst im vergangenen Schuljahr einen ganzen Batzen neues Lernmaterial bekommen, die müssen jetzt mit mir Grammatikübungen für DaZ-Lerner bearbeiten. Wer da Unterrichtsmaterial sucht, dem empfehle ich grundsätzlich die Sachen vom Hueber-Verlag. So sehr mich Cornelsen beim muttersprachlichen Deutschunterricht begeistert, so sehr lassen die einen beim Thema DaZ/ DaF hängen.

Ich bin schon ganz gespannt, wie es meinen Herzis in den Sommerferien ergangen ist. Weil die Kommunikation mit den Eltern außerhalb von direkt-mündlichen Situationen oft noch schwierig ist, haben wir in der Klasse eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet. Damit meine Truppe den Schulstart morgen nicht verpennt, habe ich sie in den vergangenen Tagen mehrfach auf Schulbeginn und -ende aufmerksam gemacht. Und was soll ich sagen? „Wir vermissen Sie, Frau Ostfriesin.“ in korrekter Rechtschreibung und Interpunktion. Ach, da ging mir ja schon das Herz auf.

Ja, und dann begann heute der ganze Wahnsinn von vorne. Nach der ersten von vier Konferenzen war mein Terminkalender schon deutlich gefüllt, am Ende des Tages bin ich mehr oder weniger durchgeplant für das kommende Schuljahr. Die letzten Jahre habe ich mit einem elektronischen Kalender gearbeitet, weil ich da alle Termine mit allen Internetgeräten synchronisieren konnte, aber da wir für die Schule eh eine handschriftliche Unterrichtsübersicht führen müssen, habe ich jetzt den Testballon mit diesem ausgesprochen hässlichen, aber hoffentlich praktischen Kalender gestartet. Wenn es zu sehr nervt, stelle ich zum Halbjahr wieder um, aber vielleicht ist der ja auch voll gut.

Dann war mein Kopf voll, mein Bauch leer und das Hündchen hat lange genug gewartet, also bin ich nach Hause gefahren und habe mich mal wieder gefreut, dass das alles mit dem Fahrrad so schön geht. Als ich während meines Exil-Jahrzehnts auch mal im Bergischen gewohnt habe, war das nämlich gar nicht denkbar. In der norddeutschen Tiefebene kann man aber ganz toll fietsen. Morgen ist bestimmt wieder mehr Sommer.

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2 Gedanken zu “Und dann, und dann fängt das Ganze von vorne an.

  1. blogbellona 11. September 2016 / 23:52

    ich vermisse das radfahren in stuttgart auch echt doll. in brandenburg macht das mehr spaß. 😉

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    • Postfriesin 13. September 2016 / 14:38

      Für’s Ref. war ich im Bergischen Land. Uäääääh, war das nix für mich Ostfriesin. Auch wenn die Landschaft an sich schon nett war.

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