Wir sind die krasseste Herde, die’s gibt!

Irgendwann im ersten Teil von Ice Age sagt Sid, das nervige Faultier, diesen Satz und verweist damit auf die Unterschiedlichkeit der Herde und wie cool sie sich trotzdem alle verstehen.

So ähnlich habe ich mich heute in meiner Sprachlernklasse gefühlt. Ich mag die alle so! Noch ganz ferienwarm kamen heute meine Jungs und Mädchen zusammen und ich wurde in guter Tradition mit dem Morgengruß niedergebrüllt. Der geht nämlich so: Ich sage „Moin liebe Sprachlernklasse!“ und meine Klasse schmettert im Chor zurück „Moin, Frau Ostfriesin!“ Irgendwann hat die Bande beschlossen, dass das übliche „Guuuu-teeen-Mooooaarr-gäääähn, Fraaaauuu Ooostfriiieesiiin!“ einfach nicht richtig wach macht. Also kriege ich ab jetzt wieder täglich die Ohren geputzt.

Und da sitzen sie also. Vertreter aus fünf Nationen, einträchtig in dem Wunsch versammelt, jetzt mal ordentlich Wissen in die Birne zu kriegen. Na gut, frischen wir zunächst im guten alten Stuhlkreis unsere mündlichen Sprachkenntnisse auf. Ich frage immer Jede und Jeden einzeln, wie es ihr oder ihm geht und wie die Ferien waren. Dann frage ich, was sie in den Ferien gemacht haben. Eine ganze Menge, soviel steht fest. Sie haben mit Ronaldo gefiebert und ganz ausführlich wurde fünfsprachig über das unverschämte Foul der Franzosen gegen den Weltfußballer Nr. 1 debattiert. Sie waren im Schwimmbad und viele wollen jetzt doch endlich schwimmen lernen. Is‘ ook beeter so, givt n bült Water in Ostfreesland!

Sie haben ihre Familienmitglieder besucht, die quer in Europa verstreut sind. So eine Flucht reißt eben wirklich alles auseinander. Sie haben Picknicks in öffentlichen Grünanlagen gemacht und ihren Geschwistern beim Rad fahren lernen geholfen. Selbstverständlich haben sie alle beteuert, ganz viel gelernt zu haben. Aber: „Ich weiß es, aber ich hab’s vergessen.“ Das ganze menschliche Schicksal in einem Satz untergebracht. Diese Analogie stammt übrigens nicht von mir, sondern von Thees Uhlmann. Lest sein Buch „Sophia, der Tod und ich„. Alle.

Weil morgen Einschulung für die Jüngsten ist, wurden wir dann für einen machbaren Arbeitseinsatz eingeteilt: Papierpakete schnüren. Der Vorsitzende des Umweltausschusses hat sich überlegt, dass es doch gut wäre, wenn nicht alle Eltern in den Ferien losziehen müssten und Papier besorgten, sondern wenn wir in der Schule Pakete mit dem benötigten Material zusammenstellen. Selbstverständlich mit dem Blauen Engel versehen und in Recyclingqualität. Also haben wir heute ein kleines Fließband mit Pappmappen, Blöcken und Heften gebaut, eine dreifache Kontrolle (Menge zählen, Anordnung mit Checkliste abgleichen, Unversehrtheit überprüfen) installiert und dann noch eine Schleife drumgebunden. Das hat richtig Spaß gemacht, weil alle in ihren Heimatsprachen erklären konnten, was die jeweils Andere falsch oder richtig macht und das konnten alle verstehen, weil wir so unmittelbar mit den Papierprodukten gearbeitet haben. Zusammen mit den anderen Klassen des Jahrgangs sind wir dann zu den neuen Klassenräumen gegangen und haben die dortigen Stuhlkreise mit den „Geschenken“ bestückt. Das war ein sehr schönes Bild!

Die letzte Doppelstunde haben wir uns dann mit dem neuen Stundenplan beschäftigt. Jetzt mag die gemeine Arbeitnehmerin vermuten, dass das ja kein Unterfangen von 90 Minuten sein kann, aber ich stellte zum wiederholten Male fest: Isses doch! Angefangen mit dem Zeichnen einer Tabelle; ja auch solche Kompetenzen müssen gefördert werden; bis zum korrekten Übertrag der Stunden und Pausenzeiten und der Lehrerinnenbesetzung dauert das mit doppelter Lehrkraftbesetzung tatsächlich fast eine Doppelstunde. „Hier Lineal?“ „Ja, richtig, hier legst du das Lineal an und ziehst eine Linie.“ „Stift?“ „Nein, kein Bleistift. Nimm bitte einen Kugelschreiber.“ „Stunde da?“ „Genau, da müssen die Stundenzeiten rein.“ „Stunde Frau Ostfriesin?“ „Korrekt, da habt ihr bei mir Unterricht.“ „Schluss?“ „Der Schultag endet nach der sechsten Stunde.“ „Wo Bus?“ „Dein Bus fährt an dieser Haltestelle ab. D. kann dich mitnehmen.“

Jetzt fehlen noch Putzpläne, Bücherausgaben und eine korrigierte Sitzordnung. Das wird schon. Wir sind schließlich die krasseste Herde, die’s gibt.

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