Endlich wieder „Eau de Cheval“

Nach der Sommerpause habe ich gestern den Reitunterricht wieder aufgenommen und was soll ich sagen? Es war wunderbar! Seit gut eineinhalb Jahren reite ich in dem Betrieb und es ist der erste, wo ich endlich genau den Unterricht bekomme, den ich mir schon immer wünsche.

Die Arbeit und die Fernehe haben in den letzten Jahren das Halten eines eigenen Pferdes deutlich schwer gemacht und als mich letztes Jahr meine alte Stute Richtung Pferdehimmel verlassen musste, war klar, dass es erstmal und in der bisherigen Form kein neues Pferd gibt.

2014-10-28 10.58.04

Mein kleines Trampeltier war eine sehr treue Seele und ich bin froh, dass wir uns so lange hatten. Aber sie war eher ein Arbeits- als ein Reitpferd und da ich nicht völlig verspannen wollte, musste eine Alternative zum Schreibtischsitzen her.

In dem Betrieb, in dem ich jetzt reite, gibt es tolle Schulpferde, die regelmäßig Korrektur geritten werden und um die sich die ganze Belegschaft sehr gut kümmert. Die Schulpferde haben eine qualitativ hochwertige Ausstattung, genau wie die Privatpferde, und erhalten die gleichen Behandlungen von Tierärzten, Ostheopathinnen und dergleichen. Wenn ein Schulpferd mal ein Zipperlein hat, gibt es eine Pause. Wenn ein Pferd für den Schulbetrieb nicht mehr gut geeignet ist, dann wird es solange behalten, bis ein gutes Zuhause gefunden ist. Meine ausgebildete Reitlehrerin arbeitet dort Vollzeit und ich gönne mir den Luxus von Einzelreitstunden bei ihr. Dann bekomme ich ein Headset auf und sie nimmt sich die ganze lange Bande Zeit, meine Schultern und und Hüften genau zu beobachten und zu kommentieren („Linke Schulter fallenlassen. Schieb deine innere Hüfte nach vorne…“). Weil ich wegen des Headsets nicht immer mit einem Ohr Richtung Reitlehrerin horchen muss und dabei Schultern und Becken wieder verdrehen würde, habe ich im vergangenen Jahr wirklich Fortschritte in Sitz und Haltung machen können. Die Reitlehrerin kommentiert alles ruhig und sachlich und erklärt genau, wieso und weshalb ich jetzt bitte dieses oder jenes tun oder lassen sollte. Da ist nix mehr mit früherem Kasernenton oder stupiden Befehlen ohne Hintergrundwissen. „Brust raus, Bauch rein, Hacken runter!“, war früher. Jetzt ist: „Du musst das Pferd am äußeren Zügel führen. Die innere Hand spielt aus dem Handgelenk heraus und fordert die Stellung. Zu viel Stellung ist nicht gut, dann verspannt dein Pferd. Darum bietest du mit der äußeren Hand einen Rahmen. Wenn sich die Halsmuskulatur richtig raushebt und du das innere Auge schimmern sehen kannst, hast du genug Stellung. Denk dran: Du musst das Pferd von hinten nach vorne arbeiten. Du kannst vorne nichts verlangen, was du hinten nicht vorbereitet hast. Erst hinten aktivieren, dann vorne begrenzen.

Also, zugehört habe ich. Der Sinn erschließt sich mir auch. Nur meine Koordination ist oft noch weit von Umsetzung entfernt.

Das Schulpferd, dass ich dort reite, ist super. Er ist gut ausgebildet und geduldig mit all den Fehlern, die ich so mache. Wenn ich aber etwas richtig hinbekomme, ist er sofort da und belohnt mich mit schönen Schritten, die ich gut sitzen kann. Wenn wir beide mal im Flow sind, bringt mich das die ganze restliche Woche zum Strahlen. Das ist manchmal schon der eine schöne Zirkel, der mir willentlich und nicht zufällig geglückt ist. Wenn nicht, dann ist es aber auch nicht schlimm, denn das Reiten bringt mich voll und ganz weg von der Arbeit und direkt in das „Hier und Jetzt“.

Meine Reitlehrerin hätte ich gerne schon zwanzig Jahre früher kennengelernt, aber da haben wir beide noch die Schulbank gedrückt. Jetzt ist dieser Betrieb für mich eine echt tolle Gelegenheit, richtig Reiten zu lernen. Mein Ziel ist es, dass ich ein Pferd so gut gymnastizieren kann, dass es mich lange und ohne Schmerzen tragen kann. Denn irgendwann möchte ich schon ganz gerne wieder ein eigenes Pferd haben. Lieber in näherer als in ferner Zukunft. Bis dahin heißt es aber ab jetzt wieder regelmäßig: „Atmen nicht vergessen! Du kannst nur locker sitzen, wenn du locker bist! Die positive Grundspannung ist keine Verspannung!“

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