Kommunalwahlsonntag

Am heutigen Sonntag werden bis 18.00 Uhr in den Wahllokalen die Stimmen für die neuen Gemeinde-, Orts-, Stadt- und Kreisräte, mancherorts auch für Bürgermeister- und Landratsämter abgegeben. Die Wahlkämpfe der umliegenden Kommunen habe ich mit halben Ohr und Auge verfolgt und was soll ich sagen? Augenscheinlich ist man(n) immer noch dann ein „guter Politiker“, wenn man männlich, weißhäutig und in gesetztem Alter ist.

Ich finde das irgendwie erschreckend. Trauen Frauen sich das Amt nicht zu? Sind junge Leute so satt, dass sie sich für nichts mehr einsetzen müssen? Auch die Wahlslogans der etablierten und anderen Parteien sind sensationell inhaltsleer. Zu den deprimierendsten Aussagen gehörte ein Wahlplakat der AfD mit der Aufschrift „schwarz-rot-gold ist bunt genug“ und die Aussage verschiedener Amtskandidaten, dass zukünftig deutlich mehr für den Tourismus und weniger für den Umweltschutz getan werden müsse.

Ich meine, da sitzen wir in einer der großartigsten Naturphänomene überhaupt, dem Weltnaturerbe Wattenmeer, und diese einzigartige Fläche schafft es in einigen Stellen, sich dem kapitalistischen Seifenblasenträumen zu entziehen und ein Ort für soviel Leben zu sein, vom Sandpierwurm über den Knutt bis hin zur Braundüne, UND DAS WOLLEN WIR ZERSTÖREN?

Oder anders: Wir sitzen behaglich im Warmen, stehen keiner unmittelbaren Gefahr für Leib und Leben gegenüber, können in vielen Dingen frei wählen (und tun’s dann doch nicht, wie die Wahlbeteiligung immer wieder verdeutlicht) und dann kommen Menschen, die dieses Leben auch für sich wünschen und wir sagen: Nö. Falsche Hautfarbe, falsche Religion, falsche Einkommensstruktur?

Super. Da haben sich all die Bemühungen und klugen Gedanken für ein vereinigtes, friedvolles Europa ja mal so richtig gelohnt. Und auch die Schule, ich nehme meine da gar nicht aus, versteht es vortrefflich, die grandiose Idee der freiheitlichen Demokratie zu transportieren. *Ironie aus*

Was ich mir wünsche: Geht wählen. Nicht erst dann, wenn die auftauchen, die ihr hunderprozentig unterstützen könnt, sondern schon dann, wenn ihr die Wahl habt, diejenigen, die eure größte Zustimmung treffen. Und wenn da niemand ist: Warum nicht selbst kandidieren? Oder in der kommenden Wahlperiode bei der ein oder anderen öffentlichen Sitzung dabei sein und die Fragestunde nutzen und die eigene Meinung kundtun? Da, wo man etwas verändern kann, nicht da, wo es billige Zustimmung und inhaltsleeres Gewäsch gibt.

Das wär schon was!

2 Gedanken zu “Kommunalwahlsonntag

  1. Ute 11. September 2016 / 15:33

    Danke für diese klaren Worte…
    und ich folge immer noch deinem blog:-)

    Gefällt 1 Person

    • Postfriesin 13. September 2016 / 14:37

      Liebe Ute,
      danke für den netten Kommentar. Schön, dass es dir hier gefällt.
      Tja, ich bin heute (Dienstag nach Wahlsonntag) ein bisschen deprimiert über die Wahlergebnisse, aber vielleicht überraschen sie ja 😉

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