Showtime – Pferde in Aktion

Am gestrigen Samstag habe ich endlich mal wieder etwas mit einer sehr lieben Freundin unternommen. Ein Reitbetrieb der Region hatte zu einem Showprogramm mit Barockpferden eingeladen und da wir beide Pferde ziemlich super finden, haben wir uns auf den Weg dorthin gemacht.

tl,dr: Für Freunde des kurzen Inputs: Ja, war schön und ja, ist ausbaufähig.

Für die Leserinnen längerer Blogartikel: Das kam so…

Zunächst ritt eine schwarzbewandete, blondhaarige Frau mit Dreispitz auf dem Kopf einen Barockschimmel in die Halle. Barock war an dem Pferd vor allem sein wahnsinniger Hals. Da, wo bei Sportpferden nach dem Widerrist erstmal eine sanfte Wölbung emporsteigt, ging es bei ihm Eiger-Nordwand-mäßig steil nach oben. Wahrscheinlich muss er den Hals so hoch tragen, weil er sonst auf seine Mähne getreten wäre. Die war nämlich unglaublich lang und sorgte für einen echten WOW-Effekt. Die Dame stellte sich als Moderatorin des Abends vor und überraschte mit einer Stimme, die absolut nicht zu dem Körper passte. Die Stimme war eher so „Hallo, ich bin acht Jahre alt und möchte trotzdem gerne noch beim Schlachter eine Gratis-Scheibe Wurst haben“, während der Körper eher so: „Baumstämme? Reiße ich schon vor dem Frühstück drei Stück aus.“ war. Kennt ihr das, wenn ihr Leute seht und dann fangen die an zu sprechen und du denkst nur: WHAT??? Jedenfalls bat sie da das erste Mal an diesem Abend um Applaus. Das erste von ungefähr 200 Malen.

Es folgte ein hübsches weißes Pferd mit einer ebenso hübsch dekorierten Frau, die zusammen auf einem riesigen Stück  (wirklich riesig. Bestimmt 20 x 15 m!) blauen Stoffes rumgetanzt sind. Das Pferd war erst zweieinhalb Jahre alt und meine Freundin und ich waren schwer beeindruckt von seiner Unerschrockenheit. Da wurde piaffiert und sich hingelegt, egal, ob da 700 Leute zuguckten, die Musik an „The last Unicorn“ erinnerte, die Spots ihr Ziel nicht fanden oder die Stoffbahn flatterte wie ein Burggespenst. Respekt vor so viel Coolness.

Weiter ging es mit einem großen Einhorn:

einhorn-und-geige

Das Einhorn tänzelte zur Violine sehr anmutig im Kreis.

steigendes-einhorn

Steigen konnte es auch. In einer späteren Darbietung haben die beiden gezeigt, wie toll das Pferd an den Hilfen der Frau steht. Sie hat nur mit Sitz- und Schenkelhilfen auf dem Pferd gesessen und mit den Armen große Flügel bewegt, das Pferd hat aber alle Seitengänge und Gangwechsel sehr schön ausgeführt. Allerdings nur auf der linken Hand, Rechtsrum müssen sie wohl noch üben.

Auf dem Bild oben sieht man übrigens ganz gut, wie kräftig die Pferde am Hals bemuskelt sind.

Es folgten weitere Show-Auftritte, bei denen alle gezeigt haben, wie gut sie aufeinander achten. Das Trickpony beispielsweise reagierte sehr fein auf die Aufforderung, die Beine zu kreuzen:

trickpony

Und das Menorquinische Pferd zeigte seine Geduld:

menoquin

Die Reiterin wirkte übrigens am lässigsten: In der einen Hand die Zügel, in der anderen die Gerte, mit dem Hintern am Sattel wie mit Pattex klebend, machte das Pferd allerlei Sachen wie Vorwärtsverbeugung, auf den Hinterbeinen laufen, fliegende Galoppwechsel… und sie saß unerschütterlich weiter. Schon ziemlich cool. Wenn eine Übung mal nicht recht klappen wollte, zum Beispiel das Hinlegen auf Kommando, dann haben die Reiterinnen keinen Zwang ausgeübt, sondern etwas anderes gemacht. Das fand ich gut, weil die Pferde dabei auch einen entspannten Eindruck machten und nicht gefrustet wirkten.

Neben echten Vierbeinern tauchten auch große Leuchtpferde in der Halle auf:

magichorse

Mit der passenden Musik schwebten sie sehr leichtfüßig durch die Halle und haben mit ihren großen Bewegungen imposant gewirkt. Allerdings hätte da die Choreo bestimmt noch mehr Absprachen vertragen können.

Heute denke ich, dass da schöne Sachen präsentiert wurden, allerdings sehe ich auch noch Luft nach oben. So könnte das Licht schöner gesteuert sein, teilweise war es sehr dunkel, dann wieder sehr hell. Vielleicht wäre ein schwarzer Vorhang hinter den Pferden auch möglich gewesen, dann hätten sie noch mehr hervorgestochen.

Die Moderatorin hat für mich einen Platz auf der Top Twenty der nervigsten Leute des Jahres belegt. Sie hat einfach immer und immer wieder nach Applaus, gerne auch für sich selbst, gefragt und war dem Publikum gegenüber sehr anmaßend. Sie sprach dann davon, dass sie ja so viel erzählen müsse, um die Umbaupausen zu überbrücken, aber das hätte sie auch anders lösen können, als mit: „Applaus! Für mich!“. Eleganter hätte ich es gefunden, wenn sie eine kurze Geschichte aus dem Training der Pferde erzählt hätte, oder was das Besondere am Barock ist. Was überhaupt Barock ist. Aber nu. Insgesamt wirkte sie nicht sehr authentisch. Das fiel vor allem am Ende des Nachmittags auf, als die Kinder noch ein paar Fotos mit den Pferden machen durften. In das große Mikrofon wurde das noch ganz lieblich gesäuselt, als dann die Kinder Schlange standen, war der Ton schlagartig sehr viel ruppiger.

Dann weiß ich bei Barockpferden nie so ganz, wie ich sie finden soll. Es ist toll, was sie in den Beinen haben und wenn sie, wie zwei schwarze Friesen im Pas de Deux zeigten, die bepuschelten Hufe elegant schwingen, dann sieht das großartig aus. Allerdings habe ich auch gesehen, dass die Pferde mit der Kandare so kurz gehalten wurden, dass zwischen Ganasche und Hals überhaupt kein Abstand mehr war. Kann natürlich sein, dass das so muss und ich hab da zu wenig Ahnung, aber richtig gefallen hat mir das nicht. Teilweise hatten die Pferde auch richtig viel Metall im Maul und Kopf, Unterlegtrense und Kandare und und und.

Was bleibt also? Wir hatten ein schönes Erlebnis, bei dem tolle Pferde vorgestellt wurden. Wir fühlten uns gut unterhalten und haben gern zugesehen. Am Ende bleiben ein paar Fragen und der Wunsch nach einer neuen Moderatorin, aber der Genuss überwiegt. Und falls die nochmal wieder kommen, gucken wir uns das gerne ein weiteres Mal an.

…und das Hundetier liegt in seiner Kiste, die Pfoten über dem Kopf zusammengeschlagen und scheint zu denken: „Kein Spanischen Schritt mit wehrlosen Dalmatiner-Mischlingen! Such dir ein anderes Tier, dem du Trickse beibringen willst.“

Die Welt, obgleich sie wunderlich…

…ist gut genug für dich und mich.

So oder so ähnlich treibe ich gerade durch die Tage. Oder werde getrieben. Oder eile. Ach, es ist ja mal wieder viel los hier.

Also erstmal habe ich Netflix installiert. Ich habe das lange boykottiert, weil mir der smarte Fernseher ja schon so’n büschn Bauchschmerzen gemacht hat. Der hatte keine Internetverbindung, weil ich (wahrscheinlich zu Recht) befürchte, dass da irgendwo Mikrofone drin verbaut sind und die all das Zeug, was wir so besprechen, aufnehmen und auf irgendeine gigantische Datenmüllhalde schmeißen, wo es aber nicht verrottet, sondern für immer und ewig vor sich hin bytet. Naja. Ist wahrscheinlich so, aber hey, ich hab das Smartphone neben dem Bett liegen. Die Konsequenz sitzt hämisch lächelnd in der Ecke und zeigt mit den Stinkefinger. Und außerdem hat die Satellitenschüssel neulich bei Grey’s Anatomy, ich wiederhole der Dramaturgie wegen: BEI GREY’S ANATOMY!!EINSELF! den Geist aufgegeben. Es regnete mal wieder zu stark und dann spielt der Parabolspiegel verrückt. Also jedenfalls: Keine Meredith, die mal wieder Stress schiebt. Ein Drama! Und weil ich wirklich unbedingt auf dem Sofa liegen wollte und fernsehen und vielleicht noch ein kleines Schokoeis essen, habe ich mich bei Netflix angemeldet und sehe da seit diesem teuflischen Moment in quasi jeder freien Minute Piper Chapman bei ihrem Gefängnisaufenthalt in Litchfield zu. „Orange is the new black“ hat mich voll im Griff und es ist wie bei manchen Büchern: Wenn ich zu lange Harry Potter lese, murmele ich Zaubersprüche, wenn ich zu lange Gefangene beobachte, kommentiere ich alles mit „F*ck dich!“. Schlimm. Aber was willste machen. Das ist jedenfalls ein superguter Zeitvertreib, wenn ich mal wieder völlig entnervt von pädagogischen Gesprächskreisen komme oder wenn die Handwerker uns erst mitteilen, bis dann und dann sind sie fertig und dann dauert es doch wieder zehn Tage länger oder wenn es mal wieder nicht richtig hell wird draußen oder wenn die liebe Achte mal wieder einen krassen Pubertätsschub hat und ich nicht zum Hulk werden darf, obwohl ich so gerne möchte…

Und dann ist wieder alles gut. Im Lehrerzimmer wird gelacht und der Fliesenleger arbeitet schnell und sauber und der Elektriker taucht wie aus dem Nichts auf und ist so ein Typ Mann, den man unbedingt neben sich stehen haben sollte, wenn die Welt untergeht, und dann will meine Achte unbedingt, dass ich ihre Klassenlehrerin werde, weil: „Sie sind die einzig Coole!“ Hier! Ich! Cool! Das hätte damals doch auch keiner gedacht, ich jedenfalls nicht. Und dann hat der Lieblingsinsulaner nur noch ein paar Tage vor sich und wir können endlich das Modell „Fernehe“ verabschieden.

Das sind jedenfalls die derzeitigen Dinge, mit denen ich meine Tage verbringe. Neben der Unterrichtsplanung, Klassenarbeitskorrektur, Gassigänge, Material vorbereiten für Arbeitskreise und Fortbildungen und Vorträge, Geburtstage vergessen und dann doch noch ein Päckchen schicken und Youtube-Videos über Thees Uhlmann gucken und überlegen, ob ich den jetzt gut finde oder nicht. Ich finde seine Texte super, aber jedes Interview ist immer so „meeeh, ne, das ist mir jetzt zu aufgesetzt.“ Vielleich so wie bei Janosch. Seine Kinderbücher sind super, aber seine Kommentare im ZEIT-Magazin gehen mir auf den Keks. Thees, wenn du das hier liest: Ich würde sofort einen Kaffee mit dir trinken gehen, um der Sache mal auf den Grund zu gehen. Direktemang!

Pünktlich zu Halloween hatte das Gemüse noch eine Überraschung parat:

paprika

So, und wer jetzt glaubt, dass dieser Eintrag ja ziemlich wild durcheinander springt, der gebe ich Recht. Musste aber mal raus 😉

Hollt jo fuchtig!