Es ist alles nur in meinem Kopf…

Was mache ich hier eigentlich? ‚N Blogartikel schreiben. Geht das denn? Kann ich das mit meinem Gewissen vereinbaren?

Da liegen doch noch 16 Abschlussklausuren, die auf die Zweitkorrektur warten. Und außerdem müssen die Zeugnisnoten und Lernberichte langsam mal geschrieben werden, denn minus Himmelfahrt und Pfingsten sind es nur noch gefühlte drei Tage, bis wieder der Konferenz-Wahnsinn losgeht. Die Lektüre! Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“, Novellen-Merkmale, zackzack. Einmal runterbeten, abfragen und bewerten. Sowieso, endlich mal mehr Engagement zeigen! Der demokratische Wandel erfasst Ostfriesland und der Elternwille hat gezeigt, dass die Schulform, an der ich arbeite, nicht ankommt. Da muss doch mal eine Flagge zeigen und zur Außendarstellung etwas beitragen. Jetzt schreib doch mal einen Artikel für die Schulhomepage. Denk auch an das Bildmaterial, sonst ist es zu langweilig. Aber, tut uns Leid, Ostfriesin, dein supererfolgreiches Sprachförderkonzept, ne du, dass müssen wir einstampfen. Sparzwang vom Ministerium.

Ach, das ist noch gar nicht alles? Stimmt, da warten ja auch noch die lieben Kinderlein mit ihrem diagnostizierten Statuten: ME, GE, ESE, ADS, Autismus, Hörschädigung, Fluchthintergrund, Scheidungseltern, Pubertät. Und die ganz „normalen“ Schülerinnen und Schüler. Die, die sich mit Selbstzweifeln oder Größenfantasien plagen. Die, die so gerne mal ein Markenshirt anziehen wollen, aber bei denen das Geld dafür fehlt. Wie, du hast nichts von X und Y? Wie bist du denn drauf? Und dein Handy, Alter, das ist ja sowas von Steinzeit… Ach, du gehörst zu den Schülern, die einfach mal komplett keinen Bock auf Deutsch haben? Das soll ich also einfach mal wegunterrichten? Wozu denn auf die Persönlichkeit der Schülerin eingehen? Die hat die doch noch gar nicht, die bekommt sie doch erst durch unseren Bildungskanon! Mensch, Ostfriesin, dass du das nicht verstehen willst.

Jetzt aber hopp, hopp. Die Korreeektuuuhuur! Bevor „Grey’s Anatomy“ anfängt musst du noch zehn Stück schaffen. Das ist ja wohl mal klar. Wenn nicht: Du Niete, ey! Lehrerinnen sind doch alle faule Säcke. Sagte Schröder schon. Der wusste, wovon er sprach!

Komm mir jetzt nicht mit „Mimimi, aber ich hab doch heute sechs Stunden unterrichtet! Und das auch noch mit binnendifferenzierten Unterrichtsmaterial. Außerdem habe ich mich mit einer Kollegin auf eine Sitzung vorbereitet, die für die Zukunft der Schule wichtig ist!“

Korrigiert soll hier werden! Schnallst du das nicht?

Jaja, die Vorgesetzte, die hat dir gestern noch einen reingewürgt. Hättste dir mal nicht reinwürgen lassen sollen! Nächstes Mal sagst du ihr einfach, was du alles gemacht hast und dann soll sie mal sagen, was daran falsch oder unerledigt war. Dumm nur, dass sie das Spiel nicht mitspielt, sondern einen Flunsch zieht und dir sagt, dass du DA aber nicht dran gedacht hast.

Herr. Hirn. Himmel. Schnell!

…und dann singt Tim Bendzko mir vor, wo es ist: „Alles nur in deinem Kopf! Es ist alles nur in deinem Kopf!“

*geht wieder auf Tauchstation*

ABM: Arbeit, blauer März

Da isser nun, der Frühling. So richtig echt mit Narzissen, Tulpen und Ranunkeln. Die Vögel zwitschern es raus, unserem Haus gegenüber wohnt eine Amsel, die über den Winter sehr viel geübt hat und nun von früh bis spät ihrem Herzen Luft macht. Der Hund kullert im Garten und bittet darum, die Decke in die Sonne gelegt zu bekommen. Der Insulaner trägt kurze Hosen in der Mittagszeit und streicht ein wenig herum.

Derweil: Ich arbeite. Viel. Neben dem Unterricht, der grundsätzlich mal gar nicht zu unterschätzen ist, gab es im März einen plattdeutschen Vorlesewettbewerb, eine Theateraufführung meiner DaZ-Knirpse, Konferenzen ohne Ende, Informationstage für Eltern hoffentlich kommender Schüler, Konferenzen, Dienstversammlungen und Fortbildungen, dazu Arbeitskreise und Konferenzen. Jetzt noch schnell eine Deutscharbeit zum Korrigieren mit in die Osterferien nehmen, dort noch eben einen Haufen Bilder bewerten, dann das Schuljahresende planen (vier Wochen! Dann müssen schon alle Noten stehen!) und zack, ist die Energie futsch.

Am Abend liege ich im Bett und frage den Mann, warum ich eigentlich so k.o. bin. Bekomme einen Vortrag, der den inneren Schröder’schen-„Lehrer sind alle faule Säcke“-Schweinehund an die Kette legt.

Kann nicht schlafen. Ein Gedankenwurm kriecht über die Bettdecke: Wie soll ich denn meinen Inklusionskindern einerseits und den sehr begabten Kindern andererseits gleichzeitig Gotffried Kellers Nebensätze dritter Ordnung erklären? Und sie auch noch für die Schönheit dieser Satzkonstrukte begeistern? Dann spackt der Kollege wieder rum, weil er angeblich eine Information nicht rechtzeitig erhalten hat. Bin ich darum ne miese Kollegin, weil ich ihm nicht als allererstes informiert habe? Müssen Orchideenfach-Kollegen zusammenhalten? Der unbegleitete minderjährige Flüchtling, der im vergangenen Jahr einfach nicht in die Klasse reingewachsen ist, ist abgängig. Wie kann das Jugendamt so ein Behördendeutsch für einen verschwundenen Jugendlichen einsetzen? Wahrscheinlich kann man nur so denken, sonst nimmt das Chaos überhand. Hab ich eigentlich meinen Beitrag zum Geschenk für die schwangere Kollegin schon bezahlt? Das Elterngespräch vorgestern lief ja nicht so gut, wie das Kind das wohl wegsteckt?

Müde. Ferien. Bald. Wie sagte neulich jemand: Ich werde so dermaßen eskalieren, ich brauche danach bestimmt neue Hausschuhe.

Ach, ach, du alter Achenbach!

Als ich noch studierte, und ich kann manchmal nicht fassen, wie irrsinnig schnell sich mein Leben in den letzten vier Jahren von Studierender zu Studienratender gewandelt hat, da habe ich einen Teil meines Studiums mit Kutsche fahren finanziert. Mit zwei starken Kaltbluten bin ich je nach Auftrag vor einen Arbeits-, Plan- oder offenen Wagen getreten, habe eingespannt und dann das transportiert, was der jeweilige Wagen am besten aufnehmen konnte. Kaltblut heißt übrigens nicht, dass die Pferde eine tiefere Körpertemperatur haben, sie sind nur wesentlich gelassener wenn neben ihnen ein Helikopter landet, ein Gast einen Regenschirm aufspannt, eine Schulklasse anfängt zu kreischen oder der Wind mit mehr als acht Stärken Beaufort um die Ohren pfeift. Alles mehrfach empirisch überprüft! Gut, manchmal erinnern sie eher an Statuen als an lauffreudige Zugtiere, aber man kann ja nicht alles sein. Weder die Pferde noch ich.

Eine Lektion, die ich oft gezeigt bekam, wenn ich wieder mal auf dem windigen Bock saß und in die ein oder andere Richtung fuhr, war „Umstände annehmen“. Entweder kam der Wind von hinten oder von vorn, in jede Ritze ist er immer eingedrungen. Dabei habe ich gelernt, dass ich die ganze Zeit auf dem Bock sitzen kann und bibbern und fluchen und noch mehr bibbern oder aber, und das ist ein willentlicher Akt, ich setze mich gerade hin, akzeptiere, wie’s gerade ist und schon fühlt sich das alles gar nicht mehr so kalt an. Und wenn es dann wirklich richtig kalt wurde, bin ich neben den Pferden hergelaufen, das hat uns alle warmgemacht. Annehmen, nachgeben, Haltung haben. Hilft für’s ganze Leben.

Nun ist es aber so, dass der Pferdesport in Deutschland natürlich in Vereinen und Verbänden organisiert ist, wie könnte es auch anders sein. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung wird nicht etwa DRV abgekürzt, nein, da ist man schon ein bisschen kultivierter und nennt sich Fédération Équestre Nationale, was man aber auch nicht FEN abkürzt, sondern, erste hippologische Theorieprüfung bestanden, FN.

Die FN ist also für den Reitsport das, was der Duden für die Rechtschreibung ist: Es gibt zwar noch andere Gesetze, aber was im Duden steht, ist gültig und wenn die FN sagt, dass ich einen Kutschenfahrschein brauche, um Kutsche fahren zu dürfen, dann brauch ich den. Brauchen ja, haben nein. Also absolviere ich derzeit die ersten Theoriestunden für den Kutschenfahrschein. Wir sitzen mit sechs Schülerinnen und Schülern vor der Fahrlehrerin, die uns in die Geheimnisse der Geschirrkunde einweist. Nein, das hat nichts mit Knigge und Rangordnung zu tun, wo das Dessertschälchen zu stehen hat, sondern es geht um die verschiedenen Geschirre, die Pferden aufgelegt werden können. Da fallen dann so schöne Begriffe wie „Oberblattstößel“ oder „Leinenführungsring“ oder auch „Zugstranghalteriemen“. Heute Abend werde ich wieder abgefragt, darum schreibe ich das gerade.

Der andere Teil des Unterrichts beschäftigt sich derzeit mit der korrekten Leinenaufnahme, entwickelt und in die Regelwerke etabliert von Herrn Benno von Achenbach. Praktischerweise hat er das ganze Zeug auch gleich nach sich selbst benannt. Das ist in etwa so, wie bei den Grimm’schen Märchen. Die haben sich auch zu den Großmütterchen gesetzt, ihnen zugehört, die Märchen niedergeschrieben  und dann unter ihrem Namen veröffentlicht. So ähnlich stelle ich mir das auch bei Herrn Achenbach vor. Fährt mit der Postkutsche von Ort zu Ort, begutachtet, was auf den preußischen Äckern so los war und schrieb das auf. Kleine Modifikation und noch knapp hundert Jahre später wird die Ostfriesin im Herbst 2016 nach seinem Namen lernen, die Leinen zu verschnallen und aufzunehmen. Mit korrektem Längenmaß, was sich an der Hosennaht des rechten Oberschenkels orientiert. Jaha, da freut sie sich, die Ostfriesin!

Also, ich lerne jetzt noch ein bisschen und irgendwann in den kommenden Monaten bin ich dann hoffentlich auch endlich offiziell Gespannführerin.

‚N Tee oder ’n Schnaps?

Im Deutschleistungskurs lasen wir Siegfried Lenz „Deutschstunde“ und sahen dazu auch eine Verfilmung von 1971. In einer Szene bekommt Familie Jeppsen Besuch und die Frau fragt: „Willste ’n Tee oder ’n Schnaps?“

Seither komme ich immer wieder in Situationen, bei denen genau diese wichtige Frage ungestellt im Raum schwingt. Tee, das Nationalgetränk der Ostfriesinnen, ist natürlich IMMER richtig. Die klassische Geburtstagsfeier sieht ihn auch abends vor. In meiner Kindheit waren die Eltergeburtstage eine verwirrende Mischung aus total langweilig und endlich mal was los. Es begann bereits mit der Uhrzeit: Bevor das Melken nicht erledigt und das Abendbrot gegessen, die Dusche (oder großzügig das Rasierwasser als Alternative) den Geruch erneuert und „dat good Hemd“angezogen war, begann keine Feier. Also eigentlich nie vor acht Uhr abends. Selbstverständlich ist das meistens eine zu-Bett-geh-Zeit gewesen, darum konnten wir, die Geschwister und ich, immer nur die sehr pünktlichen Gäste begrüßen. Die wurden dann in die gute Stube begleitet, wo bereits das Teeservice aufgebaut war. Denn ohne drei Tassen Tee keine Feier, mutten wi nee över prooten. Zum Tee wurde immer Kuchen und Gebäck gereicht. Dann, Geschlechterrollen bis zur Perfektion austrainiert, hat meine Mutter mit Unterstützung aller weiblichen Anwesenden (und weh der, die sitzenblieb. Es sei denn, sie war schwanger oder im Stall so übel gefallen, dass sie sich kaum bewegen konnte), die Teetafel abgeräumt, während mein Vater mit gr0ßer Geste den Alkohol hervorgeholt hat. In meinen ganz jungen Jahren war das Bier und Schnaps, später, der Kultur wegen, auch sehr, sehr, sehr süßer Wein. Schließlich kennt man was von der Welt. In der Zwischenzeit hat meine Mutter ein paar Snacks bereitgestellt. Pikantgewürzte Erdnüsse werden mir wahrscheinlich für immer und ewig mit diesen Feierlichkeiten verbunden bleiben. Nach Tee, Schnaps und Kaltgetränken gab es dann gegen Mitternacht noch eine warme Gulaschsuppe oder anderes Nahrhaftes. Schließlich erforderten die immer gleichen Gespräche über Land (Kauf, Verkauf, Pacht, Bodenverhältnisse), Kühe (Kuhkalb, Bullkalb, Milchquote, Schlachtpreis) oder Trecker (Modell, Zugleistung, Reifenbreite) bei den Männern und Kinder (Schwangerschaft, Babysitter, Einschulung), Mode (Katalog oder Geschäft zwei Dörfer weiter) oder Hobbys (Seidenmalerei, Patchwork, Blumentopfwichtel) bei den Frauen beträchtliche Energiereserven. Außerdem hatten wir Kinder dann am nächsten Tag gleich Mittagessen parat.

Merke also: Traditionelle Geburtstagsfeiern unterscheiden nicht zwischen Tee und Schnaps, sondern delegieren lediglich die Uhrzeit.

Wie ich da jetzt drauf komme?

Gestern hatten wir erst Tee, dann Abendessen (sagte ich schon, wie toll der Mann kocht? Ja? Ne? Tut er!) und dann wäre eigentlich ein schnöde-gemütlicher Fernsehabend dran gewesen. Da war uns aber nach den Ereignissen des Tages nicht so recht nach, also blieben wir in der Küche sitzen. Da steht ein Ostfriesensofa. Der Lieblingsinsulaner schenkte mir gestern noch ein bisschen Lego, dass ich aus irgendeinem Grund gerade wieder ganz cool finde. Das letzte Mal war so mit acht Jahren. Während ich also den Joker und Batman mit fahrbaren Untersätzen austattete, spotifyte sich der Mann durch’s Netz und wir stellten erneut fest, dass wir wirklich viele gemeinsame Lieblingslieder haben. Ganz neu auf der Liste: „The Sound of Silence“ in der Version von Disturbed. Tja, und weil wir Tee schon hatten, haben wir die ganze Sache ordentlich mit Schnaps begossen. Das hätte mir damals bei diesen schrecklich uniformen Geburtstagsfeiern mal jemand sagen sollen; dass ich ein paar-und-zwanzig Jahre später neben dem tollsten Mann der Welt für mich sitzen kann, wir durch und durch Insulaner und Ostfriesin sind und dabei trotzdem bestimmte Geschlechterrollen aufweichen können. Diese Freiheit und diese Nähe, die entsteht, weil wir uns beide auf gleicher Höhe begegnen, finde ich so-so-so großartig!

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Ostfriesland ist übrigens auch, wenn man das Wetter von weither kommen sehen kann und schon den Sonnenschein dahinter erahnt.

Oll Reef

Am vergangenen Sonntag wollten der Lieblingsinsulaner und ich eigentlich etwas im Garten machen. Dann regnete es aber und wir brauchten eine andere Idee. Demnächst steht ja Umzug Nr. 13 oder 14 an und da isses doch sehr praktisch, schon mal ein bisschen nach Einrichtungsgegenständen zu schnüstern. Hemm wi ook moakt. In’t „Oll Reef Hus“ in Grootfehn*.

Da ich die Idee von Flohmärkten ja wirklich gut finde, gleichzeitig aber überzeugte Langschläferin bin und in meinem Kopf sich die hartnäckige Behauptung hält, gute Sachen gäbe es nur in den frühen Morgenstunden, bin ich ungefähr alle fünf Jahre mal auf einem Flohmarkt. Es gibt da aber diese praktische Einrichtung von Familie Tjaden. Im NDR hatten sie vor einiger Zeit einen Beitrag über den Sammeldrang von Herrn Tjaden. In dem ehemaligen Gulfhof gibt es eine Teestube und ein „Museum“ von Hausratgegenständen des letzten Jahrhunderts. Man kann aber auch um ein-zwei Ecken biegen und in eine Lagerhalle gelangen, wo es eine Unmenge an eben „Reef“ gibt. Was soll ich sagen? Im ersten Moment erschlägt es einen:

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Dann stellten wir aber fest, dass es durchaus ein System gibt. Ein sehr volles und in den Übergängen sehr fließend gestaltetes System, aber ein System. Ein paar meiner Highlights möchte ich euch nicht vorenthalten:

So gibt es dort eine kleine Nische, die thematisch der Schule zugeordnet ist. Schon interessant, was die vor ein paar Jahrzehnten so als wissenswert erachtet haben. Und diese Lehrkraft-Mode erst. Vielleicht sollte ich mich auch mal mit einem „Elbsegler“ auf dem Kopf vor meine Mischpoke stellen.

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Der dortige Lehrplan beschäftigte sich schon früh und wahrscheinlich schon lange, bevor es das Wort „Fairtrade“ in irgendeiner Sprache überhaupt gab, mit Schokolade. Schokolade ist ja nahezu IMMER gut. Es sei denn, sie wird mit Dingen vermischt, die einfach nicht zu ihr gehören. Fleur de Sel oder Traube-Nuss zum Beispiel. Aber wenn man das vermeidet, kann man mit Schokolade eigentlich nix verkehrt machen, auch dann nicht, wenn ich wieder im Drachen-Modus bin:

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Die locker-flockige Ansprache an Gegen-den-Zaun-Pisser klappt auch ganz hervorragend:

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In wirklich sehr, sehr, sehr großer Anzahl gibt es Werkzeuge und Eisenwaren. Da gibt es doch dieses Musical, welches alle US-Amerikanerinnen kennen, dessen Titel mir gerade nicht einfällt, wo es so einen Schrottwichtel gibt, der einem kleinen Mädchen über den Regenbogen hilft. Oder sie singt. Oder so. Also jedenfalls, HIER könnte man bestimmt manchen Eisenmann zusammensetzen. Und ich meine jetzt nicht „Was tot ist, kann niemals sterben“-Eisenmänner.

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Hafenromantik. Immer gut. Jetzt alle im Chor: „Juuunge, komm‘ baaald wieder, bald wiieeder nach Haaauuus, Junge, faaahr nie wieeeder, nie wieeeder hinaaauuus.“

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Für DIY-Fans gibt’s dort auch Inspiriationen:

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Und modisch isses auch irgendwie:

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Voll mit Eindrücken haben wir uns erst mal eine Kanne Tee gegönnt. Mit Kuchen. Ich habe lange nicht so einen leckeren Kuchen gegessen. Dann haben wir noch ein bisschen mit Herrn Tjaden über eine Milchkanne verhandelt, denn viele der Sachen kann man dort auch kaufen, und sind wieder abgezogen.

Wir kommen wieder!

*…gucken. Haben wir auch gemacht. Im „Alten Zeug Haus“ in Großefehn.

Deichwärts

Das Verhältnis von Ostfries*innen zu ihrem Deich ist ein inniges. Der teils noch von Hand aufgeworfene Grünstreifen aus Kleiboden markiert nicht nur die Grenze zwischen hier und da, nein, der Deich ist auch Ausdruck des Stolzes, der Urgewalt des Meeres ein Stück fruchtbaren Bodens abgerungen zu haben. Nicht erst seit Storms „Schimmelreiter“ gibt es die Faszination, da rauf zu wollen, die Trennlinie zwischen Wasser und Land mit einem napoleonisch anmutenden Besitzerstolz zu begehen.

Das geht mit ganz  unterschiedlichen Vehikeln; gemeinhin lernt die kleine Ostfriesin auf den, durch eine lang geplante Auffahrt auf anfahrtaugliche 25 Meter verlängerten, asphaltierten Zufahrtswegen das „Anfahren am Berg“. Leidgeprüfte Karosserien und rückengeplagte Fahrschullehrkräfte bereiten die Schützlingin dann auf die aberwitzige Steigung von sieben Prozent vor: „Kupplung laaangsam komm’n lass’n, mit’n annern Fuß gleichmäßich dat Gas drücken un…“ – abgesoffen. Handbremse nicht gelockert.

Aber auch mit anderen Gerätschaften lassen sich die ostfriesischen Berge erklimmen, zum Beispiel mit dem Fahrrad. Dazu muss gesagt werden, dass es die hiesigen Deichschutzbehörden überhaupt nicht gerne sehen, wenn der Deich außerhalb der befestigten Wege betreten wird. Scheinbar können nur Schafe den Deich so richtig gut festtreten und eventuell entstandene Fraßschäden von Mäusen und anderen buddelnden Tierchen wieder ausbessern. Angesichts der Tatsache, dass der Deich eben viel mehr ist als Heimatgefühl und Fotostandpunkt, sondern auch gegen den „Blanken Hans“, wild aufwallende Sturmfluten, schützt, ist das ja auch eine sehr einsichtige Begrenzung.

Wenn aber laue Sommerabendstimmung auf wenig Wind trifft, die Deichkrone ordentlich gepflastert ist und ich unbedingt noch mal raus will, dann ist so eine Radtour auf dem Deich etwas ganz Famoses.

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